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Verfasst am: Sa Apr 12, 2008 11:54 am Titel: Leseprobe |
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4.2 Medien der Literaturwissenschaft
Die Medien, die einer wissenschaftlichen Disziplin
zur Verfügung stehen, sind von zentraler Bedeutung
für die Teilhabe des einzelnen Forschers am
wissenschaftlichen Diskurs. Sie sind nach den Worten
Peter J. Brenners Teil der »literaturwissenschaftlichen
›Lebenswelt‹«. Über sie werden Thesen, Methoden
und Resultate sowie deren Bewertung kommuniziert,
über den Zugang zu diesen Medien wird
aber auch der Status des Einzelnen innerhalb der
Fachgemeinschaft geregelt und nach außen signalisiert.
Die Präsenz in bestimmten anerkannten
wissenschaftlichen Reihen oder Zeitschriften verschafft
dem Forscher symbolisches Kapital.
Damit die Medien diese Rolle übernehmen können,
müssen sie im Hinblick auf ihre Beschaffenheit,
aber auch ihre institutionelle Bedeutung eine
gewisse Stabilität aufweisen: Wer den Herausgebern
einer Zeitschrift einen Aufsatz zur Veröffentlichung
vorschlagen will, muss den Standort der
Zeitschrift in der Fachwissenschaft einschätzen
können und bei der Herstellung des Textes texttypenspezifische
Erfordernisse berücksichtigen; wer
für seine Monografie einen Platz in einer angesehenen
Reihe sucht, muss eine Leistung vorlegen, die
sich auch unter mehrfacher Begutachtung als publikationswürdig
erweist. Der sichere Umgang mit
dem Kommunikationssystem, das sich auf die
Medien der Wissenschaft stützt, ist also Voraussetzung
für den beruflichen Erfolg des Autors wie für
die Verbreitung der Forschungsergebnisse innerhalb
einer interessierten Fachöffentlichkeit. Insofern
verwundert es nicht, dass die Fachgemeinschaft
auch unter sich verändernden institutionellen,
technischen und wirtschaftlichen Bedingungen
an den eingeführten Medien und an den mit ihnen
verbundenen Bewertungsmechanismen festhält.
Gleichwohl hat die Literaturwissenschaft in den
1990er Jahren eine allmähliche Abkehr von den
traditionellen Publikationsformen und -medien erlebt.
Ernst Osterkamp beschrieb 2001 in einem
Aufruf zur Diskussion im Jahrbuch der deutschen
Schillergesellschaft eine Krise vor allem der fachwissenschaftlichen
Zeitschriften (vgl. Osterkamp 2001,
1–7) und stieß damit überwiegend auf Zustimmung.
Beklagt wurde allgemein, dass die sich immer
weiter ausdifferenzierende Literaturwissenschaft
zahlreiche Neugründungen von Reihen und
Zeitschriften nach sich ziehe, die wiederum zu Unübersichtlichkeit,
aber auch zum Absenken der
wissenschaftlichen Standards bei der Prüfung auf
die Publikationswürdigkeit des einzelnen Beitrags
führe. Überdies beobachtete er eine durch Tagungsbände
und Festschriften geförderte Tendenz, dass
anstelle der monografischen Darstellung größerer
Zusammenhänge eine Fülle von Vorüberlegungen,
Studien und Skizzen in Tagungsbänden und Festschriften
veröffentlicht werde, die dem wissenschaftlichen
Fortschritt nicht mehr dienen könne,
weil sie nurmehr im kleinen Kreis der Spezialisten
zur Kenntnis genommen werde. Als Konsequenz
beobachtet Osterkamp, dass die »eigentlichen intellektuellen
Debatten« außerhalb des Faches, »etwa
in den Feuilletons der großen Tages- und Wochen-
zeitungen« oder in den Kulturzeitschriften, geführt
werden (ebd., 6).
Dieser Einschätzung ist Thomas Anz auf dem
Germanistentag 2004 entgegengetreten3 und hat
dabei auf den völlig verschiedenen Adressatenkreis
von Fachpublikationen und Beiträgen für Feuilletons
und Kulturzeitschriften hingewiesen. In der
fachinternen Reflexion über die Medien der Disziplin
ist diese Differenzierung bisher kaum mitbedacht
worden. Es gehört zu den stillschweigend,
aber allgemein akzeptierten Erwartungen sowohl
der Fachwissenschaftler selbst als auch der breiteren
Öffentlichkeit, dass sich Literaturwissenschaftler
über ihren – immerhin muttersprachlichen –
Gegenstand in einer für jedermann zu jeder Zeit
verständlichen Weise äußern. Sieht man einmal davon
ab, dass auch viele Fachwissenschaftler Ergebnisse
von Spezialisten lieber im Feuilleton zusammengefasst
lesen als sich in deren Gebiet durch
Lektüre der relevanten Publikationen einzuarbeiten,
so kann schon ein Blick auf die Fülle möglicher
Darstellungsformen literaturwissenschaftlichen Wissens
zeigen, dass sich jede an ein anderes Publikum
wendet und somit auch andere Voraussetzungen
hinsichtlich des Vorwissens und möglicher Durchdringung
des Gegenstands zu berücksichtigen hat. [...] |
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